Refugee

Der heutige Titel des Artikels ist das englische Wort für Flüchtling. Es leitet sich von dem lateinischen Refugium ab. Dies bedeutet Zuflucht. So ist das Wort semantisch nicht, wie im Deutschen, als das eines Menschen der vor etwas flüchtet, zu deuten, sondern jemand der Schutz / Hilfe sucht, weil er nicht mehr weiter weiß.

 

Ich habe versucht mir vorzustellen, wie desolat die Lage in Deutschland werden müsste, damit ich Freunde und Familie hinter mir lassen, mich verschulden, eine lebensgefährliche Reise auf mich nehmen und in ein Land gehen würde, dessen Kultur ich nicht kenne und dessen Sprache ich nicht spreche. Die Antwort, welche ich darauf fand, sagt auf ihre Art vielleicht mehr als ein Buch voller Worte:

Ich konnte es mir nicht vorstellen.

 

Menschen kommen nach Europa in der Hoffnung auf Schutz, einen Neuanfang. Es sind so viele, dass wir, obwohl Europa recht wohlhabend ist, sie gar nicht so schnell und qualitativ gut unterbringen und versorgen können wie es nötig wäre um die Menschenwürde zu gewährleisten. Wir haben eine Flüchtlingskrise, definitiv.

Ich schreibe diesen Artikel jedoch nicht um zu konstatieren, was wir alle schon längst wissen. Mein Anliegen ist ein anderes. Ich bin der Meinung, dass die Debatte so vergiftet ist, dass wir einer konstruktiven Lösung für das Problem im Wege stehen.

Wer fragt, wieviele Flüchtlinge wir noch aufnehmen wollen und ob wir eine Grenze ziehen bei der Aufnahme von Flüchtlingen und wenn ja, wo, wer fordert, dass man nicht so viele Flüchtliche aufnehmen soll um damit die Versorgung der bereits aufgenommenen Menschen zu gewährleisten, der wird als “rechts” beschimpft. Wer Flüchtlingen helfen will, sogar Hilfe selbstständig organisiert, wird als “linksliberal” beschimpft und angefeindet, ja sogar bedroht.

Ich übertreibe an dieser Stelle mal gezielt: Wir werden irgendwann eine Grenze ziehen und einen Aufnahmestop verhängen müssen. Wenn auf jeden Bundesbürger ein Flüchtling kommt können wir weder uns, noch die Aufgenommenen, versorgen. Wir würden letztlich alle über die Klinge springen. Das ist Fakt, auch wenn jetzt einige so eine Geisteshaltung gleich wieder als rechts bezeichnen mögen.

Bitte lernt an dieser Stelle, dass “rechts” nicht zwingend bedeuten muss, dass etwas unwahr ist. Leider werden Fakten gerne mit Attributen wie “rechts” oder “links” deklariert, selbst wenn sie eindeutig weder das eine, noch das andere sind. Zum Beispiel ist ein Fakt, dass mit einem Flüchtlingsstrom auch immer Kriminalität kommt. Manche stehlen, weil sie Hunger haben oder verzweifelt sind. Das sind noch die harmlosen Fälle. Doch nicht jeder Flüchtling ist ein Heiliger. Unter ihnen sind auch Mörder und Vergewaltiger, wie in jeder anderen Bevölkerungsgruppe auch. Stellt jemand jedoch die legitime Frage, wie wir mit der Kriminalität und im speziellen mit den kriminellen Flüchtlingen umgehen wollen, dann wird diese Person als Nazi diffamiert.

Wir haben ein Problem mit der Meinung anderer Menschen, auch wenn diese Meinung sehr viele wahre Elemente enthält und die Argumentation sich nicht ganz von der Hand weisen lässt. Es ist eben einfacher andere als Nazi zu beschimpfen und ihnen damit Schuld zuzuschieben. Dieses Zuschieben hat die Funktion sich selbst damit von Schuld oder Verantwortung reinzuwaschen und sich weiterhin als Gutmenschen zu zelebrieren, während Tausende Kilometer entfernt Bürgerkriege ausgefochten werden mit Waffen und Munition aus deutscher Produktion, also der Krieg unseren Wohlstand mitfinanziert.

Die Anfeindungen, Anschläge und Bedrohung der Flüchtlinge und jener, die ihnen helfen wollen, hat allerdings auch einiges aufgedeckt, was wir lieber verdrängen würden. Die deutsche rechtsradikale Szene hat sich in den letzten Jahrzehnten hervorragend organisiert. Und sie ist auch deutlich größer, als angenommen. Abgesehen von den Radikalen sind da aber noch die vielen Leute, die im Vergleich dazu nur “latent” ausländerfeindlich sind und bei Pegida Demos gelegentlich mal auftauchen. Erst jetzt, wo “Rechts” schon Salonfähigkeit erreicht hat, zeigt sich, wieviele Mitbürger in diesem Land Vorurteile gegen Fremde haben, sich bedroht fühlen wenn jemand eine andere Hautfarbe hat und auch sonst eine Menge latente Ängste haben, die immer irgendwie mit Menschen zu tun haben, die keine “Deutschen” sind.

Es gab einen Rechtsruck. “Gab” deshalb, weil das was wir heute sehen nur die Wirkung von Ereignissen und Entscheidungen ist, die in der Vergangenheit liegen. Anstatt uns aber einzugestehen, wieviele Menschen wir aus der politischen Mitte bereits verloren haben, wie selbstverständlich Hass, Verachtung und Empathielosigkeit bereits geworden sind, verbringen dejenigen, die noch nicht in eine Richtung gerutscht sind, ihre Zeit lieber damit sich gegenseitig als “links” oder “rechts” zu beschimpfen oder die Schuld am Rechtsruck in unserer Gesellschaft zuzuschieben oder auszudiskutieren was nun politisch korrekt sei und was nicht. Auch die Mitte will nicht sehen, dass sie den Rechtsruck mitverursacht hat, indem sie die Sorgen und Fragen ihrer Mitmenschen nicht ernst genug und sich die Zeit auf sie einzugehen nahm. Dabei haben dieses Verdrängen und die Handlungsunfähigkeit der politischen Mitte radikalen Kräften erst den Weg  bereitet, denn die gaben dann all jenen , die Sorgen und Fragen hatten, eine Antwort.

Die Gesellschaft ist also gespalten, die Mitte ist handlungsunfähigkeit weil nicht kritikfähig und konsequent und mit Verdrängen beschäftigt, die linken und die rechten Kräfte kämpfen um Einfluss, bieten jedoch auch keine Lösungen. Sich gegenseitig als “rechts” zu beschimpfen ist für viele noch die einzige Ebene auf der sie diskutieren können, während andere stolz darauf sind rechts zu sein und Menschen zu hassen, weil sie da sind.

Eine Lösung, wie immer sie auch aussieht, wird sicher genügend Elemente enthalten, die vielen zu rechts oder zu links sind. Die Mitte muss jedoch verstehen, dass das irrelevant ist. Die Lösung muss funktionieren und nicht die Bedingung, unpolitisch oder politisch korrekt zu sein, erfüllen. Das kann sie gar nicht sein. Fragen und Meinungen jedweder politicher Coleur müssen gehört und diskutiert werden um eine Lösung zu finden, die für Hilfesuchende wie Helfende als auch Besorgte eine bestmögliche Antwort bietet. Dazu muss nur die kognitive Dissonanz ein Ende haben. Man kann nicht helfen wollen und gleichzeitig jede Debatte über Probleme mit der großen Zahl an Flüchtlingen, sei es Versorgung oder Kriminalität oder sonst was, mit Vorwürfen im Keim ersticken oder die Zeit damit vertrödeln auszudiskutieren, was denn jetzt politisch korrekt sei oder nicht. Da hat jeder eine andere Meinung und es kommt nie zu einem Ergebnis. Letztlich ist man dann selbst genau so wenig hilfreich wie jene, denen man vorwirft nicht helfen zu wollen oder ausländerfeindlich zu sein.

 

Denkt mal darüber nach

Über fuddel

1989 das Licht der Welt erblickt. Vielseitig interessiert, desorientiert und desillusioniert.
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