Umweltschutz

Weiß Gott, ich bin kein Öko. Ich trage keinen selbstgehäkelten Wollpullover, ich besitze ein Handy, habe einen Kühlschrank, eine Waschmaschine und wasche mich auch regelmäßig, wobei ich das ein oder andere Produkt verwende, dass vielleicht nicht so schön biologisch abbaubar ist. Ich bin also kein Umweltschützer und werde wohl auch nie so einer von der Sorte werden, der freiwillig in nem alten Bauwagen wohnt und versucht die Welt zu verbessern indem er / sie mit gutem Beispiel voran geht und lebt wie in der Steinzeit

 

Warum lautet die Überschrift des Artikels also Umweltschutz ? Gute Frage ! Ich will versuchen sie mit einem Umweg zu beantworten.

 

Eigentlich dreht sich dieser Artikel um Verlogenheit. Ich kann und will es nicht länger schweigend hinnehmen, deswegen schreibe ich diesen Artikel. Wir werden alle jeden Tag belogen. Von Konzernen und Politikern die uns sagen, was für Fortschritte man bereits erzielt habe in Sachen Umweltschutz. Dabei muss man sich nur einmal mit einem Funken Verstand umsehen.

Noch nie waren wir von sovielen Geschäften umgeben, die uns Produkte verkaufen, die schon beim Erwerb ihre zulässige Lebenserwartung überschritten haben, sofern sie jemals eine solche hatten. Siehe 1 Euro Läden

Noch nie hatten wir so viele Produkte mit einer geplanten Obsoleszenz. Siehe Autos und Waschmaschinen.

Noch nie hatten wir soviele Produkte, bei denen von Anfang an klar war, dass sie zum Wegwerfen konzipiert sind, obwohl das nicht hätte sein müssen. Siehe Mobiltelefone mit nicht austauschbarem Akku.

Ich habe eigentlich erwartet, dass die Lebenserwartung vieler Produkte unseres täglichen Lebens steigt. Immerhin werden dauernd neue, belastbarere Materialien entwickelt, Tests gemacht und neue Konstruktionen und Methoden entwickelt. Unsere Ingenieure sollten fähig sein ein Auto, eine Waschmaschine oder ein Mobiltelefon zu entwickeln, bei denen Verschleißteile langlebig und z.B durch einen modularen Aufbau leicht zu tauschen sind.

Stattdessen haben wir heute Autos, bei denen man zum Austausch einer Scheinwerferlampe die halbe Front auseinanderbauen muss und daher eine defekte Glühbirne bei einem Kilometerstand von 100.000 und mehr schon beinahe einen wirtschaftlichen Totalschaden darstellt. Und der Kühlschrank ist auch stromsparender, nur brauche ich öfters einen Neuen, dessen Herstellung natürlich auch wieder Energie und Rohstoffe verbraucht. Doch das damit die gute “Klimabilanz” des Kühlschranks wieder hinfällig ist, sagt mir natürlich niemand.

 

Unserer Wegwerfkultur können Maßnahmen wie regenerative Energie, Recycling und FCKW-freie Kühlschränke nicht entgegen wirken. Letztlich soll das unser Gewissen beruhigen, nützen tut es jedoch nichts. Eigentlich wäre an diesem Punkt mal die Politik gefragt solche Geschäftsmodelle zu unterbinden.

An dieser Stelle kommt dann oft das Argument, dass die Konsumenten das doch selbst so wollen. Dies ist ein Totschlagargument. Es soll von der eigenen Verantwortung ablenken und signalisiert, dass man eine Debatte eigentlich gar nicht führen will. Es mag Konsumenten geben, die solche Produkte kaufen. Das rechtfertigt jedoch nicht Produkte, deren einziger Zweck das Wegwerfen zu sein scheint, herzustellen und zu verkaufen und dabei irgendwas von Umweltschutz zu faseln. Da sollten diese ganzen Menschen und Politiker wenigstens ehrlich sein und sagen, dass sie das nicht interessiert ob wir oder nachfolgende Generationen auf diesem Planeten noch leben können, solange es irgendeinen Idioten gibt der es kauft und sie damit Geld verdienen. Aber das werden sie natürlich nicht tun, denn es wäre schlechte Publicity und die ist bekanntlich schlecht fürs Geschäft.

Es kommt aber auch oft ein weiteres Argument. Das der Hilflosigkeit, denn immerhin wisse man ja gar nicht, welche Geräte von welchen Herstellern den jetzt wirklich taugen und welche nicht und als Kunde hätte man ja eh keinen Einfluss darauf und so weiter. Bitte lasst euch nicht ständig einreden, dass ihr nichts bewirken könnt. Ihr könnt sehr wohl, man will euch nur glauben lassen ihr könntet nicht.

Dieses Argument wird aber auch gerne von Leuten benutzt, denen es im Grunde egal ist, ob sie ihren Kindern eine Mülldeponie hinterlassen. Ich spare mir an dieser Stelle einen Appell oder eine Debatte, beides wäre hier sinnlos.

 

Zurück zum Umweltschutz:

Ich denke, Umweltschutz wäre machbar, auch ohne in einen alten Bauwagen umzuziehen und wie in der Steinzeit zu leben. Doch dazu wären einige grundsätzliche Änderungen in unserer Denkweise, Kultur und Finanzsystem notwendig. Bei Denkweise und Kultur sollten wir uns vielleicht ein Vorbild an Steve Jobs nehmen. Der Mann hat es geschafft den Menschen ein vollkommen überteuertes Stück Plastik zu verkaufen, als wäre es eine Eintrittskarte ins Paradies und er der Messias. Das funktioniert sicher auch anders herum, so dass die Menschen es vielleicht mal eines Tages nicht mehr als cool betrachten sich jedes Jahr ein neues Smartphone zu kaufen, sondern ihres möglichst lange zu behalten. Beim Finanzsystem ist das schon schwieriger. Unsere gegenwärtige Form des Kapitalismus interessiert sich nicht dafür ob ein Produkt innovativ ist und ob es die Menschheit voran bringt. Unser heutiges Finanzsystem stellt nur folgende Bedingungen an ein Produkt: Wie schnell kann ich möglichst viel und möglichst billig produzieren und verkaufen. Ob es ökologisch sinnvoll und ethisch vertretbar ist, ist irrelevant.

All dies muss sich gemeinsam ändern, ein gigantisches Unterfangen, jedoch nicht unmöglich. Warum ist dann noch keiner auf die Idee gekommen und hat es versucht ?

Ich bin mir sicher, hier nicht das Rad neu zu erfinden. Die Idee hatte sicher schon mal jemand, nur hat es sich niemand getraut. Da sind wir wieder bei dem Argument der Hilflosigkeit. Alle glauben es wäre unmöglich, nicht machbar und so weiter. Das glaubt ihr deshalb, weil ihr eure eigenen Möglichkeiten noch gar nicht kennt und weil man gar nicht will, dass ihr sie kennt. Und solange es Menschen gibt, die ganz gut davon leben, dass die Dinge so sind wie sie sind, werden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, euch das weiter glauben zu lassen. Und deswegen ändert sich nichts.

Zeit, den Teufelskreis zu verlassen.

Über fuddel

1989 das Licht der Welt erblickt. Vielseitig interessiert, desorientiert und desillusioniert.
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