Die kleinen Dinge…

Es sind diese vielen kleinen Dinge, die eine Sache entlarven.

 

Wenn ich zum Beispiel lese, dass immer noch eine Debatte geführt wird, ja geführt werden muss, ob ein Whistleblower wie Edward Snowden hier Asyl bekommt oder nicht, dann möchte ich den Kopf gegen die Wand schlagen.

Edward Snowden ist ein Verräter, ohne Zweifel. Ist ein Verräter vertrauenswürdig ? Die Antwort lautet „Nein“, denkt man zuerst. Doch bedenke man auch, was genau er verraten hat. Snowden verriet ein System, dass gegen Gesetze, demokratisch / freiheitliche Werte und Menschenrechte verstieß. All das von dem unser gegenwärtiges „System“ / die Bundesregierung beteuert, es schützen zu wollen. Und Snowden hatte dabei den Schneid, sich nicht auf den Befehlsnotstand zu berufen oder dergleichen, sondern einzuräumen, dass er an einer schlechten Sache mitgewirkt und die Notbremse gezogen hatte, als er erkannte, wie weit das eigentlich geht und in welche Richtung es führt.

 

Bedenkt man die Umstände und das unsere Regierung ja eigentlich beteuert Demokratie, Freiheit und die Menschenrechte schützen zu wollen, sollte eine Debatte über Asyl für Snowden eigentlich nicht notwendig sein. Die Tatsache, dass es geschieht und Snowden noch kein Asylangebot von Deutschland hat, spricht mehr als Tausend Worte und entlarvt die tatsächliche Haltung und Abhängigkeit unserer Regierung / unseres Systems. Dazu braucht man nun wirklich kein Verschwörungstheoretiker sein, als welche Menschen wie ich und Überlegungen die ich hier gerade in die Tasten tippe, ja gerne bezeichnet werden. Taten sprechen immer für sich selbst.

Ich sehe ein Teil des Problemes, warum niemand Snowden so ernst nimmt, darin, dass Snowden kein Militär ist, der unter Einsatz seines Lebens eine schwache, unbewaffnete Minderheit beschützt hat, sondern ein “Informatiker”, der nur ein bis zwei Festplatten mit sensiblen Informationen an die Öffentlichkeit gebracht hat. Sowas hat nunmal nicht das Zeug zum Heldenmythos, sowas will keiner sehen. Langweilig ist das und deswegen zappt ein Großteil der Menschheit vor der Glotze einfach weiter, wenn Snowden erwähnt wird, ohne sich über die Bedeutung dessen, was da geschieht, Gedanken zu machen.

Bisher wurde auch “noch” fast niemand von der Überwachung direkt geschädigt oder unter Druck gesetzt. Journalisten, Blogger oder einfach nur Bürger, die ihre Meinung kundtun, wurden auch “noch” nicht verhaftet und verschwanden auf Nimmerwiedersehen, wie es in Vietnam z.B. üblich ist.

Die Konsequenzen sind “noch” nicht spürbar und daher ist die Angelegenheit für die meisten Leute uninteressant. Was übrigens ein sehr intelligenter Schachzug ist: Überwachung und Kontrolle der Massen nicht durch Informationsentzug, sondern durch ein Überangebot an Informationen und Phrasen, die zu einer derartigen Verdrossenheit führen, dass alle regelrecht eingelullt sind und gar nicht merken, dass sie bereits in einem Staat leben, der vergangene Beispiele wie die DDR und ihr Ministerium für Staatssicherheit wie einen Kindergarten dagegen aussehen lässt.

Und wer derartige Vergleiche jetzt pathetisch findet, dem kann ich nur sagen, dass man einst glaube, solche Dinge wie in Orwells Roman “1984″ seien übertrieben, technisch in der Realität niemals umsetzbar und überhaupt. Und heute ist es möglich mehrere Telefongespräche gleichzeitig abzuhören und mittels Spracherkennungssoftware nach Schlagworten abzusuchen und hervorzuheben. Zu Orwells Zeiten war es schon ein gigantischer Aufwand an Technik und Personal, eine einzige Leitung abzuhören, heutige Möglichkeiten waren pures Science-Fiction. Dieses Science-Fiction ist nun aber Realität. Also liebe Kritiker, was nun ?

 

Über fuddel

1989 das Licht der Welt erblickt. Vielseitig interessiert, desorientiert und desillusioniert.
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